Frauen-Startups und das Gründen mit Familie: Noch immer keine Selbstverständlichkeit

Für viele Frauen ist die Gründung eines eigenen Start-ups ein lang gehegter Traum. Auch 2023 ist dieser Schritt für sie jedoch mit deutlich höheren Hürden verbunden als für männliche Gründer – vor allem, wenn gleichzeitig eine Familiengründung im Raum steht. Was Vorurteile damit zu tun haben und wie es dennoch gelingen kann:

Laut dem „Female Founders Monitor“ lag der bundesweite Anteil der Gründerinnen von Start-ups 2022 bei 20 Prozent. Dem stehen 43 Prozent rein männlicher Gründungen gegenüber. Die restlichen 37 Prozent fallen auf gemischte Teams. Ein Grund für diese noch immer deutliche Differenz: Gründerinnen und Gründer sind im Mittel etwa 35 Jahre alt, wenn sie ein Start-up in die Welt rufen. Die größte Gruppe gründet zwischen ihrem 30. und 40. Lebensjahr (45,9 %). Die typische Phase der Umsetzung fällt damit genau mit der Zeit der Familienplanung zusammen. Eine Zeit also, ab der die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für viele erstmals eine zentrale Rolle spielt. Zwar trifft dies auf Männer und Frauen zu gleichermaßen zu. Wenn es um die Fürsorge für den Nachwuchs geht, spielen Frauen jedoch noch immer die tragende Rolle. Die wichtigste Voraussetzung für das Gründen eines Start-ups und einer Familie ist deshalb ein stabiles soziales Netzwerk. Vor allem braucht es einen Partner, der einem zur Seite steht. Auch Freunde, Verwandte oder anderen vertraute Menschen, die in Notlagen einspringen können, sind unerlässlich. Nur so kann die Einsatzfähigkeit für das eigene Start-up gesichert werden. Ist dies der Fall, ist der Erfolg jedoch noch lang nicht garantiert, da beim nächsten Schritt, der Start-up-Finanzierung, noch immer stereotype Denkweisen vorherrschen.

Die Neigung, Männer zu bevorzugen

Eine Harvard-Studie aus dem Jahr 2017 zeigt auf, dass es bei männlichen und weiblichen Investoren den sogenannten „unconscious bias“, also eine unbewusste Neigung dahingibt, Männer zu bevorzugen. Sie wurden nicht nur öfter nach dem Potenzial ihrer Geschäftsidee gefragt, sondern bekamen im Schnitt auch siebenmal (!) so viel Förderkapital. Eine Studie der Beratungsfirma BCG zur Gleichstellung der Geschlechter bei Gründung und Finanzierung aus dem Jahr 2021 offenbarte, dass die Differenz bezüglich der Finanzen über einen längeren Zeitraum sogar noch weiter anwächst. Start-ups von Männern verfügen nach mehr als neunjährigem Bestehen im Schnitt über dreimal so viele finanzielle Mittel wie die von gemischten Gründungsteams und sogar über dreizehnmal so viele wie die von Frauen. Das gilt auch für Branchen, in denen vorrangig Frauen gründen. Eine mögliche Ursache ist, dass mit Verantwortung verbundene Positionen von Wagniskapitalgebern meist von Männern besetzt sind. Diese neigen, wie alle Menschen, instinktiv dazu, einem Gegenüber zu vertrauen, das ihnen ähnelt. Hinzu kommt, dass viele Investoren sich auf technische Neuerungen fokussieren und den gesamtgesellschaftlichen Wandel aus dem Blick verlieren – zum Nachteil vieler Frauen, von denen viele genau in diesem Bereich an Lösungen arbeiten. 

„Beim BPW liegt die Frauenquote aller teilnehmen Gründungsteams mittlerweile bei fast 50 Prozent. Das ist großartig und zeigt, dass der Wettbewerb für jede Idee, unabhängig vom Geschlecht, offensteht. Unser Ziel für die kommenden Jahre ist es, ein komplettes Gleichgewicht herzustellen, vor allem, um Frauen im Gründungskontext mehr in den Fokus zu rücken und zu zeigen, dass sie in keiner Form schlechtere Gründerinnen sind“, so Sabine Becker, Projektkoordinatorin bei der ILB.  Der BPW kann in diesem Zusammenhang gerade für junge Frauen, die Familie und Geschäft unter einen Hut kriegen wollen, eine hervorragende Plattform sein.

Familie UND Gründen – was wichtig ist

Wer auf Fremdkapital angewiesen ist, kommt nicht um einen umfangreichen Businessplan herum. Dieser erfüllt nicht nur die Aufgabe, die Gründung plan- und kalkulierbar zu machen, er ist auch eine wichtige Voraussetzung für externe Investitionen. Je zielgerichteter und überzeugender die Geschäftsidee, desto besser stehen die Chancen, eine Finanzierung zu erhalten. Auch andere Details werden durch einen Businessplan immer klarer: Wo ist der beste Standort für den Betrieb? Welche Zielgruppe soll erreicht werden und was brauche ich wirklich, um so richtig durchstarten zu können? Um einen ausführlichen Businessplan zu erarbeiten, um während oder eventuell schon vor der eigentlichen Gründung eine mittel- bis langfristige Perspektive zu haben, kann eine Teilnahme am BPW Sinn ergeben. Bei ihm haben Gründerinnen und Gründer die Chance, kostenlos ihren Unternehmensweg zu planen und gleichzeitig professionelles Feedback zu erhalten. Teil des BPW sind auch kostenfreie Workshops und Seminare, die einen Step by Step durch viele für die Gründung relevante Themen begleiten.

Wie es beispielsweise gelingen kann, sich um die Familie und das eigene neue gegründete Unternehmen zu kümmern, können Interessierte bereits am 22. November im Rahmen eines Workshops von 14 bis 18 Uhr in Wildau erfahren. Referent ist Robert Frischbier, Familienvater, Berliner und Experte für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Der Workshop richtet sich an Menschen, die sich für eine Unternehmensgründung interessieren oder das Gefühl haben, ein eigenes Unternehmen nicht mit der Vorstellung von einem erfüllten Privatleben vereinbaren zu können bzw. gleichzeitig familiäre Verantwortlichkeiten zu tragen. Teilnehmende bekommen einen Einblick in die Herausforderungen und Möglichkeiten, die sich bei der Vereinbarkeit von Familie und Unternehmertum ergeben“. Der Workshop findet in Kooperation mit dem Projekt StartINN und Startup Revier EAST statt. Einzige Voraussetzung für die Teilnahme: die Anmeldung beim BPW.

 

Quellen: